Bei akuten Schmerzen – auch seelischer Art
Wenn die Schmerzen scheinbar unerträglich werden, man weder arbeiten kann, noch irgendeine Ablenkung hilft – dann müssen wir uns am rettenden Anker des Kreuzes festhalten.
Sicher, für lange Gebete wie den Rosenkranz oder Kreuzweg fehlt dann in der Regel die Kraft. Hilfreich sind in solchen Momenten Stoßgebete oder auch nur ein wortloser Blick hin zum Kreuz oder dem Bild der Gottesmutter.
1. Miniaturen: Stoßgebete
Stoßgebete sind sozusagen Miniaturen, ein oder zwei Sätze,
manchmal nur ein einziges Wort. Man wiederholt sie meistens immer wieder. Wer
möchte, kann dabei auch die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten
lassen.
Allein das Denken oder Beten des Namens Jesu ist schon ein
Gebet. Mal ist es ein Hilfeschrei aus tiefster Not, mal Ausdruck
vertrauensvoller Liebe…
„Jesus“
„Jesus, Maria, Josef“
"Mama Maria"
Prinzipiell kann man jeden Heiligen anrufen. Für fast alle
Anliegen gibt es außerdem einen bestimmten Patron. (Eine entsprechende Liste
wird hier bald veröffentlicht.)
Weitere Stoßgebete sind z. B.
„O mein Jesus, ich gebe mich Dir hin, sorge Du.“ (Dolindo
Ruotolo)
"Jesus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner."
„Jesus, ich vertraue auf Dich.“ (hl. Sr. Faustyna)
2. Anrufung der Heiligen und Engel
In allen unseren Anliegen stehen uns die Heiligen und Engel, besonders auch unser persönlicher Schutzengel fürbittend zur Seite.
Unzählige Wunderheilungen sind auf ihre Fürsprache hin bezeugt. Für Gott ist alles, wirklich alles möglich. Er hat uns geschaffen und für ihn gibt es keine "unlösbaren Probleme" oder "unheilbaren Krankheiten". Gott ist allmächtig und barmherzig. Er will unser Heil.
Auch für viele Krankheiten und Leiden gibt es spezielle Patrone, Schutzheilige: die hl. Dymphna für psychische Erkrankungen, der hl. Laurentius für Hautkrankheiten und viele mehr.
3. Devotionalien
Wenn man allein ist, hilft es auch, etwas in der Hand halten zu können, einen Rosenkranz, ein kleines Kreuz...vielleicht ist aber auch ein lieber Mensch an unserer Seite, dessen Hand wir vertrauensvoll halten dürfen. Generell ist die Nähe eines Menschen beruhigend. Auch schon die Möglichkeit, jemand rufen oder anrufen zu können, ist beruhigend. Ein Telefon oder Hausnotruf in Griffweite gibt eine gewisse Sicherheit.
4. Sakrale Kunst
Ansonsten kann auch sakrale Kunst ein großer Trost im Leiden sein, der Blick zum Kreuz, zur Schmerzhaften Mutter, Unsere Liebe Frau von Lourdes...ja, ich bin nicht allein. Die Bilder stellen mir vor Augen, was ich momentan noch nicht sehen kann, was aber Wirklichkeit ist: Maria ist da, mein Schutzengel ist hier an meiner Seite. Ich bin absolut niemals allein. Mit ihnen kann ich sprechen, und sie hören mich. Immer. Sie helfen mir und sie sind da. Was macht es da schon, dass ich sie mit meinen Augen (noch) nicht sehen kann?
Wortlos Beten ist zusammen mit Stoßgebeten die wohl leichteste Form des Betens für einen Menschen, der akut leidet.
5. "Ja" zum Kreuz: Hingabe an den göttlichen Willen
Wenn wir uns gegen unser Leiden auflehnen, Gott Vorwürfe machen, Ihm vielleicht sogar den Rücken zuwenden - ja, dann leiden wir doppelt. Es ist unsere freie Entscheidung. Die Wut macht uns traurig, sie schadet uns und hilft kein bisschen.
Wenn wir jedoch vertrauensvoll "Ja" sagen, aus unserem Leiden ein Opfer der Liebe machen, freiwillig das Kreuz wie und mit Jesus tragen - dann fällt eine Last von uns ab, werden wir innerlich frei und unbeschreiblich glücklich, trotz des Leidens! Das ist die Verheißung des Evangeliums:
"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht." (Matthäus 11,28-30).
Auch wenn ich es nicht immer verstehe: alles was Gott zulässt, ist gut. Wenn ich mich Seinem götlichen Willen ganz anvertraue, geschehen Wunder der Gnade – auch an mir. Wenn Er will, dass ich das Kreuz noch eine Weile – oder auch für immer mit Ihm trage – nehme ich es dankend an. Er lässt mich nie allein, er trägt mit mir das Kreuz, für mich, für meine Seele.
6. "Alles geht vorüber"
Was zunächst wie eine billige Vertröstung anmutet, entpuppt sich als einer der tröstlichsten Gedanken im Leiden: die Vergänglichkeit des Schmerzes. Dieses Leiden hier auf der Erde hat ein Ende. Das ist absolut sicher. Wer seine Krankheit gut kennt, weiß, dass die akuten, schlimmsten Phasen meistens kurz oder zumindest überschaubar sind. Fast alle Krankheiten verlaufen in einem Auf und Ab. Und es werden - früher als man erhofft - bessere Zeiten kommen. Ja, und spätestens im Himmel ist alles Leiden zu Ende. Was für ein Trost! Wir glauben ja nicht an eine endlose Kette von Wiedergeburten, sondern an ein einziges Leben hier auf der Erde - und dann der Himmel, die Ewigkeit. Das ist unser Ziel. Bis dahin Geduld, Vertrauen...und Danke für unser Leben, das so kostbar, so einzigartig ist - auch im Leiden!
Manchmal tut es auch gut, eine Uhr in Blickweite zu haben: da sieht man auch, dass die Zeit wirklich vergeht, Minute um Minute, Stunde um Stunde...und wenn man gerade sehr leidet, kann es tröstlich und geradezu ein Ansporn sein, jeder Minute oder Stunde eine ganz besondere Intention zu geben: diese Minute für den Frieden, die nächste für die Ungeborenen, dann wieder eine für meinen besten Freund und so weiter...
7. Leiden ist kostbar
Wenn wir einst im Himmel sein werden – oh, wie werden wir dankbar sein für diese schweren Stunden, die wir jetzt durchleben. Rückblickend werden sie wohl die kostbarsten sein, nicht wahr? Und wir leben nur so kurz, so knapp ist die Zeit, so wertvoll…Golgotha ist der Gipfel der Liebe. Jesus hat Wunder gewirkt, Tote auferweckt, Kranke geheilt – ja, Er will unser Heil, vor Tausenden gepredigt…aber Sein Erlösungswerk: war Sein Tod am Kreuz aus Liebe.
In den Himmel zu kommen, Gott über alles zu lieben, Ihm diese Liebe zu zeigen…ja, heilig zu werden – das ist der Sinn unseres Lebens. Das Ziel ist klar, den Weg soll Gott für uns wählen, auch wenn es das Leiden ist.
8. Leiden aufopfern
Wenn Sie möchten, führen Sie eine Liste mit konkreten Anliegen und Personen, denen ihr aufgeopfertes Leiden zugute kommen soll. Denken Sie an diese Personen und Intentionen, jeden Tag und besonders, wenn es sehr schlimm ist. Aus Liebe getragen, wird das Kreuz leicht. Sie werden sehen, dass sich viele Anliegen sehr bald zum Guten wenden werden, dass Gott ihr Gebet und Opfer ein kleine, stille Wunder der Gnade verwandeln wird und ihr Bitten erhört.
9. Hilfe annehmen
Das Kreuz tragen bedeutet auch, Hilfe anzunehmen, sich in Behandlung zu begeben, nach den Ursachen des Leidens zu suchen und sich um die Heilung zu bemühen.
Wie oft haben Krankheiten und Leiden eine ganz einfache Ursache, die man recht schnell identifizieren und beseitigen kann. Geh zu guten Ärzten, bete für Deine Ärzte, bete um Heilung und vertraue Dich Gott an.
Es versteht sich von selbst, dass bitte nur jene Behandlungen und Therapien in Betracht gezogen werden, die wirklich zu unserem Heil - und nicht Unheil sind. Zu meiden sind ganz entschieden Esoterik, Homöopathie, Yoga und andere fernöstliche Praktiken, die okkulte Elemente nutzen und das Leiden scheinbar beseitigen, aber langfristig katastrophalen Schaden an der Seele (und häufig auch am Leib) anrichten. Mehr dazu hier.
10. Kraft und Heilung durch die Sakramente
Scheuen Sie sich nicht, um die heiligen Sakramente - auch um die heilige Krankensalbung - zu bitten. Es ist nicht immer die "letzte" Ölung. In den Sakramenten kommt Er zu uns; was gibt es Schöneres? Bitten Sie einen Priester, Sie zu besuchen, wenn es nötig ist. Die Heilige Beichte und Eucharistie ist eine Quelle des Lebens und des Heils und es sind zahlreiche, beeindruckende Wunder im Zusammenhang mit den Sakramenten bezeugt - auch sehr viele Heilungen.
11. Miteinander und füreinander beten
Bitten Sie andere, für ihr Anliegen zu beten. Bei Radio Horeb kann man auch anonym Gebetsanliegen einreichen: Virtuelle Kapelle.
Gottes Segen!
Picture: Jesus Carrying the Cross. Biagio Antonio. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Carrying_of_the_Cross_-_Biagio_d%27Antonio_-_Louvre_INV_296.jpg

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